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Das Schloss St. Georgen - seit rund 100 Jahren ein Gefängnis

Das Gefängnis St. Georgen hat eine Besonderheit: Es beherbergt zwei historische Gebäude, die Markgraf Georg Wilhelm errichten ließ. Das markgräfliche Zucht- und Arbeitshaus wurde ab 1724 von Gefangenen erbaut und diente von Anfang an als Gefängnis. Das 1722 errichtete Ordensschloss wurde 1897 in die Gefängnisanlage integriert. In den letzten Jahren wurden mehr und mehr Stimmen laut, das Gefängnis aus dem Schloss wieder auszugliedern.

St. Georgen zählt zu den größten Gefängnissen Bayerns und ist zugleich eines der ältesten. Knapp 350 Beamte betreuen rund 1.000 männliche Gefangene. Haftstrafen von wenigen Monaten bis lebenslang sind vertreten. Die Justizvollzugsanstalt umfasst neun große Häuser, in denen die Gefangenen meist in Einzel- und Dreierzellen leben. Hinzu kommen ein Versorgungs-, ein Arbeits- und ein Verwaltungsgebäude. Im Versorgungsgebäude sind Einrichtungen wie Kantine, Wäscherei oder Bäckerei untergebracht. Im Arbeitsgebäude befinden sich voll ausgestattete Werkstätten für die Häftlingsarbeit. Hierunter fallen Schreinerei, Schlosserei, Montage- oder KFZ- Betrieb.

Das Schlossgebäude beheimatet den berühmten Ordenssaal, der Anfang der 90er Jahre auf Staatskosten saniert wurde. Die Öffentlichkeit kann seine Pracht nur bei seltenen Führungen bewundern. In den Schlosstürmen leben Freigänger, die sich auf die Entlassung vorbereiten. Die gelben Schlossanbauten beherbergen die Diabetesabteilung und ein Krankenhaus für TBC-Patienten.

Gefängnis St. Georgen Der geschichtsträchtige Innenhof des markgräflichen Zucht- und Arbeitshauses ist vollständig erhalten. Wo heute ein Brunnen in seiner Mitte für fast klösterliche Atmosphäre sorgt, stand früher die Willkommenssäule, an der die Neuankömmlinge an den Pranger gestellt wurden. Vom Brunnen aus wandert der Blick zur Gefängniskapelle. Dort finden sonntags gut besuchte Gottesdienste statt. Eine strenge Sitzordnung verhindert konspirative Verabredungen.

Die Insassen sind zur Arbeit verpflichtet. 65 Prozent von ihnen haben keine Ausbildung. Viele der ungelernten Häftlinge arbeiten im Montagebetrieb oder absolvieren eine Lehre. Die anderen können in ihren Berufen weiterarbeiten. Ein Beispiel ist die Schreinerei. Hier arbeiten etwa zehn Häftlinge. Sie produzieren Möbel für Gerichtsgebäude und den Eigenbedarf. Bleiben Kapazitäten ungenutzt, können auch Privatkunden Bestellungen aufgeben. Bei guter Führung dürfen Häftlinge auf Baustellen außerhalb der Gefängnismauern. Der monatliche Verdienst kann für persönliche Dinge ausgegeben werden. Insassen werden von der Arbeit freigestellt, wenn sie den Hauptschul- oder Realschulabschluss nachmachen und tagsüber die Schulbank drücken. Einige wenige absolvieren sogar ein Studium an der Fernuniversität Hagen. Etwa 100 Häftlinge befinden sich derzeit in Ausbildung.

Arbeitszeit ist von 6:45 bis 16 Uhr. Unter der Woche werden die Häftlinge von 18:45 bis 6 Uhr, am Wochenende von 17 bis 7 Uhr eingeschlossen. Wenn neben der Arbeit noch Zeit bleibt, bietet die Anstaltsleitung ein breit gefächertes Freizeitprogramm an. Der Chor der JVA ist sogar bis über die Grenzen Bayreuths hinaus bekannt. Gegen Entgelt ist neuerdings sogar ein eigenes Fernsehgerät erlaubt. Die kargen Zellen beherbergen jeweils ein Waschbecken und eine eigene Toilette. Duschen sind auf dem Gang. Für die Sauberkeit der Zelle - und der gesamten Anlage - sind die Häftlinge allein verantwortlich.

Selbst wenn Strafgefangene heutzutage relativ viele Annehmlichkeiten genießen, darf man nicht vergessen, dass sie über Jahre hinweg eingesperrt sind und ihr Bewegungsspielraum zehn Quadratmeter oft nicht übersteigt. Insofern sind die Besuchszeiten ein Höhepunkt im monotonen Gefängnisalltag: Jeder Inhaftierte darf dreimal im Monat 45 Minuten Besuch empfangen. Das ist oft der einzige Kontakt zur Außenwelt, denn Internet ist verboten und Telefonate sind nur im Notfall erlaubt.

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