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Das markgräfliche Zucht- und Arbeitshaus

Zucht und Ordnung für St. Georgen: Der Landesfürst Georg Wilhelm ließ ab 1724 an der Markgrafenallee ein eigenes Gefängnis errichten, um sein Territorium von "Gesindel" zu säubern.

Markgraf Georg Wilhelm (regierte 1712-1726) ließ neben einem Schloss, einer eigener Planstadt mit Kirche und Manufakturen auch ein eigenes Zuchthaus für St. Georgen erbauen. Die Staatskassen der Markgrafschaft waren durch die rege Bautätigkeit ihres Regenten jedoch allmählich leer, so dass die Finanzierung dieses letzten Projektes Schwierigkeiten bereitete. Erst im Jahr 1724, zwei Jahre vor seinem Tod, konnte der Bau an der Markgrafenallee begonnen werden. Planender und ausführender Architekt war Hofbaumeister Johann David Räntz. Die schlichte, schmucklose Anlage besteht aus vier Flügeln mit je drei Geschossen, im westlichen Flügel ist die Anstaltskirche untergebracht. Der Außenbau ist, wie bei allen Bauten unter Georg Wilhelm, unverputzt und aus Sandstein gebaut.

Zuchthaus an der Markgrafenallee

Das Gebäudeensemble wurde während der letzten Jahrhunderte ständig modernisiert und erweitert, der ursprüngliche Bau ist jedoch annähernd erhalten. Der Idee für ein eigenes Zuchthaus in St. Georgen liegt Georg Wilhelms Anliegen zu Grunde, die Markgrafschaft von "Gesindel" zu säubern und dieses durch strenge Haftbedingungen und schwere körperliche Arbeit zu läutern. Die Häftlinge mussten bereits am Bau des Gefängnisses mitarbeiten. Danach schufteten sie entweder in der Markgräflichen Fayencenmanufaktur, oder aber in einer eigens eingerichteten Marmorfabrik hinter der Strafanstalt. Die Erzeugnisse ließen sich gut verkaufen und verbesserten die Finanzen der Markgrafschaft. Das Gefängnis bestand aus drei Abteilungen: in der ersten waren schwer erziehbare Jugendliche untergebracht, die zweite bildeten "Melancholicos oder Wahnwitzige", die dritte und größte Gruppe aber bestand aus Verbrechern beiderlei Geschlechts.

Das Leben der Häftlinge in St. Georgen war schwer, abgesehen von harter Arbeit wurden sie auch mit diversen Folterinstrumenten traktiert, wie dem "Zuchtesel", der "Zuchtbank" oder der sogenannten "Sturmhaube". Letztgenannte war eine Art Mütze aus Eisen, die unbeugsamen Häftlingen an den Kopf geschmiedet wurde. Außerdem waren die Essensrationen knapp bemessen.

Die Situation lockerte sich erst allmählich im ausgehenden 18. Jahrhundert. 1788 wurden die Nervenkranken in die neueingerichtete Irrenanstalt im Prinzessinnenhaus verlegt, wo sie angemessener versorgt werden konnten. Auch die Haftbedingungen der anderen Insassen verbesserten sich langsam, als Bayreuth Ende des Jahrhunderts unter preußische Verwaltung kam, die moderneres Gedankengut mit sich brachte. 1810 übernahm der bayerische Staat das Gefängnis und dessen Finanzierung. 1855 wurde eine "Besserungsanstalt" für jugendliche Straftäter bis zum 20. Lebensalter eingerichtet, für die man nun abgetrennte Räumlichkeiten benötigte. Das Markgräfliche Gefängnis wurde aufgestockt, die beiden Flügel erheblich verlängert und eine zweiter Quertrakt angebaut, so dass die Anlage nun über zwei Innenhöfe verfügte. 1897 wurde das benachbarte Ordensschloss ebenfalls zum Gefängnis umfunktioniert.

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