Logo  Schloss

Die Typenhäuser

Markgraf Georg Wilhelm ließ für seine Planstadt einen besonderen Typ von Haus entwerfen, der den historischen Straßenzug St. Georgen ausmacht. Sein Ziel war es, neue Siedler anzulocken und die Wirtschaft anzukurbeln.

Erbprinz Georg Wilhelm (1678-1726) ließ ab 1702 in unmittelbarer Umgebung zum Ordensschloss eine Plansiedlung anlegen. Den Anfang sollte eine marktbreite Straße machen, an der insgesamt 24 annähernd identische Häuser errichtet wurden. Er nannte die Straße St. Georgen, nach seinem Schutzpatron, dem Heiligen Georg. Für eine eigene Kirche an der breiten Straße, genannt Ordenskirche, wurde 1705 der Grundstein gelegt. Vor der Kirche ließ der markgräfliche Prinz eine breiten Platz anlegen, hinter dem Kirchenbau einen eigenen Friedhof.

Die Planung der symmetrischen Häuserreihen entlang der Straße übernahm Baudirektor Johann Cadusch. Die 24 identischen Häuser sind solide zweigeschossige Bauten aus Sandsteinmauerwerk. Die Schaufassaden zur Straße hin werden von fünf Fensterachsen gegliedert, die jeweiligen Fensterrahmungen sind flach profiliert. Die Haustüren werden ebenfalls von profilierten Rahmen umfangen. Alle Häuser bedeckt ein Walmdach. Auf den Rückseiten ist im rechten Winkel ein Wirtschaftsflügel angebaut. Zwischen den Häusern befindet sich jeweils eine Hofeinfahrt, flankiert von Natursteinpfeilern, die einen Kugelaufsatz tragen. Zu jedem Haus gehörte ein kleiner Nutzgarten. Die Planung der symmetrischen Häuserreihen entlang der Straße übernahm Baudirektor Johann Cadusch. Typenhaus in St. Georgen Das erste Typen-
haus ließ die Gemahlin des Erbprinzen, Sophie, selbst errichten. Ein weiteres Haus übernahm der Maurermeister der Ordenskirche, Johann Jakob Weiß. Für den Bau der restlichen Häuser bekamen Neusiedler Steuervergünstigungen, außerdem war das Bauholz gratis. Durch soziale Stadt sanierte Toreinfahrt

Die Typen- oder Musterhäuser stehen stilistisch in engem Zusammenhang mit jenen, die der Vater des Erbprinzen, Markgraf Christian Ernst, in der 1686 gegründeten Planstadt Neu-Erlang (Erlangen) hatte errichten lassen. Neu-Erlang war für französische Hugenotten erbaut worden, deren Manufakturen außerordentlich gewinnbringend waren. In St. Georgen wurden jedoch keine Glaubensflüchtlinge angesiedelt.

Die breite Straße mit Kirche und Friedhof sollte eigentlich erst der Anfang sein für eine weit größere Stadtanlage um das Erbprinzenschloss, mit seinem Park, dem See und der schön angelegten künstlichen Insel. In Planung war eine zweite ebenfalls recht breite Straße auf der anderen Seite der Erbprinzenresidenz (die Markgrafenallee); um die damals übliche barocke Symmetrie herzustellen. Als Georg Wilhelm 1712 die Nachfolge des Vaters als Markgraf antrat, ließ seine Begeisterung für eine eigene Stadt jedoch allmählich nach.

Im Jahr 1724 trat ein gewisser Isaac Duplessis mit interessanten Ideen an Georg Wilhelm heran, die sein Interesse wieder entfachten. Duplessis griff die alten Pläne wieder auf und schlug vor, die bisher nur mit zwei Gebäuden bestückte Markgrafenallee durch den Bau von 200 weiteren Häusern ähnlich denen in "Alt-St. Georgen" zu vollenden. Er riet dem Markgrafen, dort Hugenotten anzusiedeln und weitere Manufakturen zu gründen, zum Beispiel eine Flachsspinnerei mit Leinwandbleiche und Färberei.

Das Projekt wurde leider nie realisiert, weil Duplessis bereits ein Jahr später aus unbekannten Gründen für immer aus Bayreuth verschwand. Zwei Jahre später starb Georg Wilhelm.