Logo  Schloss

Das Schloss in St. Georgen am See

Das sogenannte "Ordensschloss" in St. Georgen, das heute von Mauern und Stacheldraht umfangen als Strafanstalt dient, wurde ab 1725 errichtet. Bauherr war der Bayreuther Markgraf Georg Wilhelm (1678-1726), der Architekt war Hofbaumeister Johann David Räntz (1690-1735). Seinen Namen erhielt das Schloss von dem höfischen Tugend- und Mäßigkeitsorden "L`Ordre de la Sincerité" (Orden der Aufrichtigkeit), den der protestantische Bayreuther Markgraf schon 1705, als er noch Erbprinz war, gegründet hatte.

Das imposante Bauwerk stand ursprünglich am Ufer eines großen künstlichen Sees, genannt "Brandenburger Weiher". Auf dem See befand sich eine kleine, künstlich angelegte Insel mit einem kleinen Barockgarten, zu der man vom Schlossparterre über einen langen Steg gelangte. Vor und hinter dem Schloss waren großzügige Parkanlagen angelegt in strenger barocker Symmetrie.

Das Schloss diente als Sommerresidenz und zusammen mit der "Ordenskirche" als Versammlungsort der Ordensritter. Entsprechend streng Fassade Schloss St. Georgen ist auch der Fassadenschmuck, der auf Trophäen und das Ordenskreuz reduziert ist. Im Inneren des Schlosses ist der große Festsaal erhalten, mit einem barocken Deckenfresko. Dort ist die Allegorie der Aufrichtigkeit dargestellt, sie thront auf einer Wolke, über ihr fliegt das Wappentier des Ordens, ein Adler, mit dem Ordenskreuz. Der Saal ist seit 1991 komplett restauriert und kann gegen Voranmeldung besichtigt werden.

Das Ordensschloss ist bereits der zweite Prachtbau an diesem Ort am See, ein kleinerer Vorgängerbau war bereits ab 1701, kurz vor der Gründung der zugehörigen Planstadt St. Georgen, angelegt worden.Idealansicht St. Georgen 1714 Da er in kostengünstiger Fachwerkbauweise errichtet worden war, wurde er schnell baufällig und musste bereits 20 Jahre später abgerissen werden. Sein ungefähres Aussehen ist nur durch mehrere stark idealisierte alte Stiche überliefert. Der berühmteste stammt von Paul Decker, auf dem auch der historische Straßenzug und die Ordenskirche abgebildet sind.
Auf dem See fahren Schiffe, auf denen Kanonen abgefeuert werden, wie bei einem Manöver. Schloss und Stadt sind voller Soldaten. Die Darstellung Deckers verweist auf Georg Wilhelms Begeisterung für das Kriegswesen und seine hohen militärischen Auszeichnungen, die er vor allem für seinen Einsatz im spanischen Erbfolgekrieg erworben hatte.

Mit dem plötzlichen Tod des Markgrafen Georg Wilhelm im Jahr 1726 endete die bedeutende Zeit des Ordensschlosses. Sein Nachfolger Georg Friedrich Carl (regierte 1726-1735) ließ es zwar vollenden, hielt sich dort aber fast nie auf. Auch dessen Nachkomme, Markgraf Friedrich (regierte 1735-1763) und seine berühmte Frau Wilhelmine nutzten das Ordensschloss, das mittlerweile unmodern geworden war, und den See nur gelegentlich für Sommerfeste. Die Parkanlage wurde nach Süden erweitert und eine Orangerie angelegt. Nach dem Tod Friedrichs 1763 begann der Untergang der barocken Gesamtanlage. 1775 wurde der Brandenburger Weiher abgelassen und die Fläche zunächst landwirtschaftlich genutzt. Als der letzte Bayreuther Markgraf Alexander 1791 abdankte, wurde das Schloss unter preußischer Verwaltung zum Geräteschuppen und Warenlager. Eine Zeit lang diente es auch als Kornspeicher, später als Garnisonslazarett. 1897 wurde es zum Gefängnis umgebaut.